InnOasen
Die Landschaft ist ein zentraler gemeinsamer Lebensraum, in dem gesellschaftliche Veränderungen sichtbar werden und der durch vielfältige Akteur:innen, Regeln und Formen des Engagements gestaltet wird. Das Forschungsprojekt „Innovations-Oasen“ untersucht Orte, an denen vielfältige Innovationsaktivitäten stattfinden, die einen Bezug zur Landschaft haben. Im Fokus steht, wie lokal Engagierte, Netzwerke und konkrete Praktiken zur Entstehung von Innovationsorten beitragen und welche Bedingungen deren Entstehung und Wirkung im ländlichen Raum fördern.
Die Landschaft, in der wir leben ist unser gemeinsamer Lebensraum. Er ist immer präsent und was hier geschieht betrifft uns alle. In der Landschaft werden gesellschaftliche Veränderungen wie der Abkehr von der Kohle, zunehmender Verkehr oder der Rückgang der Weidewirtschaft direkt sichtbar. Gleichzeitig gibt es viele verschiedene Institutionen und Regularien, die Einfluss nehmen, wenn es um eine landschaftliche Veränderung geht, wie die Ausweisung eines Schutzgebietes, der Bau einer Wasserstraße oder die Wiedervernässung von Mooren. Soziale Innovationen die kleinräumig begrenzt sind, wie beispielsweise solidarische Landwirtschaften, Streuobstwiesen oder Kulturveranstaltungen auf Flößen, finden meist auf Flächen, die den Engagierten selbst gehören oder auf die sie einen direkten Zugriff haben, statt. Im landschaftlichen Maßstab hat jedoch kaum einer die Handlungsmacht allein zu entscheiden was dort passieren darf. Veränderungen, die hier entstehen sollen, gehen immer mit einem gesellschaftlichen Engagement einher – so unsere Hypothese.
Das Forschungsprojekt „Innovations-Oasen“ ist Teil des Landvorteil-Bündnisses und untersucht über einen Zeitraum von drei Jahren Innovationsorte, in der Landvorteil-Region, die die Landkreise Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern und Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein, umfasst. Die Projektregion hat keinen eindeutigen Branchenschwerpunkt, der als zentrales Innovationspotenzial genutzt wird. Was es gibt – so wie in vielen anderen ländlichen Regionen auch – ist Landschaft: Die Ressource „Land“, deren Potenziale in Bezug auf soziale Innovationen bislang wenig erforscht sind. Denn: Landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Moore oder Erholungslandschaften bilden nicht nur ökologische Lebensräume, sondern auch soziale und kulturelle Handlungsräume. In ihnen entstehen neue Formen der Zusammenarbeit, der Nutzung und der Organisation, wie Aushandlungs- und Beteiligungsformate, innovative Anbausysteme oder gemeinschaftliche Modelle des Bodenerwerbs.
Aufbauend auf dem vorherigen Projekt „Innovationsatlas“, in dem soziale Innovationen und engagierte Akteur:innen in der Region identifiziert und analysiert wurden, richtet sich der Fokus nun auf sogenannte Innovationsorte. Dabei handelt es sich um räumlich abgrenzbare Orte, an denen sich vielfältige – vor allem soziale, aber auch technische – Innovation(saktivitäten) konzentrieren und wechselseitig miteinander interagieren.
Im Mittelpunkt der Forschung stehen Orte, an denen Landschaft eine zentrale Rolle spielt und an denen innovative Ansätze im Umgang mit Landschaft entwickelt werden. Dazu zählen beispielsweise neue Konzepte in der Land- und Forstwirtschaft, nachhaltige Tourismusmodelle, innovative Formen der landschaftlichen Bildung und Landschaftskommunikation, sowie kulturelle Projekte, die Veränderungen in der Landschaft thematisieren. Anhand von 4 Fallstudien wird analysiert, welche landschaftsbezogenen Innovationen entstehen, welche konkreten Praktiken vor Ort umgesetzt werden und in welcher Wechselwirkung diese mit den natürlichen und sozialen Gegebenheiten stehen. Dies soll zu einem tieferen Verständnis, um die Entstehungsbedingungen, Dynamiken und Wirkungen von landschaftsbezogenen Innovationen führen.
Von besonderem Interesse sind die Aktivitäten von lokal Engagierten, die durch ihre Aktivitäten sowohl auf Landschaft als auch Gesellschaft aktiv gestalten. Beim Moortheater setzen sich Kinder und Jugendliche mit dem Moor, das ihren Ort umgibt, auseinander. Durch das Kulturformat entwickeln sie einen anderen Bezug zur Landschaft, das Wissen darum, wie wichtig die natürlichen Prozesse im Moor sind, erreicht dadurch nicht nur die Schauspielenden, sondern auch die Zuschauer*innen und Familien. Im Oderbruch Museum in Altranft werden landschaftliche Themen diskutiert und von allen Akteur:innen gemeinsam besprochen. Hier werden neue gesellschaftliche Prozesse eingeübt, wie mit dem gemeinsamen Lebensraum umgegangen werden soll.
Methodisch verfolgt das Projekt einen Ansatz der rekonstruktiven Sozialforschung mit dokumentarischen Methoden. In Fallstudien werden qualitative Interviews mit teilnehmenden Beobachtungen und partizipativen Netzwerkanalysen kombiniert, ergänzt durch Arts based Research. Ziel des Projekts ist es, Gelingensbedingungen für Innovationsorte im ländlichen Raum zu identifizieren. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Engagement, Landschaft und Akteursnetzwerke zusammenwirken und welche Potenziale sich daraus für eine nachhaltige Regionalentwicklung ergeben. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, soziale Innovationen im Kontext von Landschaft besser zu verstehen und Impulse für die Zukunft ländlicher Regionen zu geben.
Laufzeit
Juli 2025 bis Juni 2028
Kooperationen
Bündnis Landvorteil, TH Lübeck, Co-Workland e.G.
Förderer
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt